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"Nachbarn für Nachbarn" in Leipzig Volkmarsdorf

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Stadtteilgeschichte


Zollikofer Straße mit Blick zur Elisabethstraße, Foto: Dieter Müller ca. 1989Zollikofer Straße mit Blick zur Elisabethstraße, Foto: Dieter Müller ca. 1989

Volkmarsdorf - vom Kohlgartendorf zur Industriesiedlung


Volcwartisdorff - so hieß das Kohlgartendorf vor den Toren der frischgebackenen Messestadt Leipzig, als es erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das war im Jahre 1270. Es gab ein Rittergut, rundum Felder, auf denen die Bauern Gemüse und Getreide für die nahe Stadt anbauten, Brot buken und alles über den sogenannten "Kohlweg" nach Leipzig lieferten.

Auf der heutigen Eisenbahnstraße fuhr tatsächlich einmal die Eisenbahn, erst 1879 wurde sie in ihr heutiges Gleisbett verlegt. Bis 1889 wurde in Volkmarsdorf noch Landwirtschaft betrieben, dann gab der letzte Pächter auf. Die Bedeutung von Volkmarsdorf, seine Bebauung und die Einwohnerzahl haben sich seither stetig verändert.

Foto: Roland Quester, 1988Foto: Roland Quester, 1988

Entlang der Bahnanlagen siedelten sich Sägewerke, Mühlen, die Fichtnersche Seifenfabrik und eine Pianofabrik an. Aus der Dorfanlage wurde ein dicht bewohnter Stadtteil von Leipzig. Mit der Industrialisierung wurden mehrgeschossige Häuser für die "arbeitende Classe" gebaut: für Arbeiter, kleine Handwerker und Gewerbetreibende. Hier war die ärmere Bevölkerung zu Hause, aber auch Angestellte der Eisenbahn, die den kurzen Weg zur Arbeit schätzten. Die Wohngebäude waren nicht sehr solide gebaut, zudem wurde jahrzehntelang wenig bis nichts zu ihrer Unterhaltung und Pflege getan. Zeitzeugen berichteten von mangelnder Hygiene und Ungeziefer. Schulen, Krankenhäuser, Armenhäuser und Kinderbewahranstalten wurden eröffnet. Andere öffentliche Gebäude fanden sich kaum im Osten. Zudem ließ die intensive Nutzung der Grundstücke kaum Platz für Grün. 1890 wurden Volkmarsdorf, Neustadt und Neuschönefeld nach Leipzig eingemeindet.

Zitiert: "... In der Wurzner Straße suchte man vergebens nach Baum oder Strauch, aber vom Laden aus konnten wir in die Juliusstraße hinaufsehen, und dort, über dem hohen Bretterzaun der "Kinderanstalt", in die auf Arbeit gehende Mütter ihre Kinder brachten, streckte ein kümmerlicher Großstadtbaum seine Zweige. Das was alles, was die Natur uns bot. Ich erinnere mich nicht einmal, was für ein Baum das war." (Aus dem Bericht von Mathilde Smits-Esperstedt, die in den 1910-er Jahren in der Wurzner Straße aufwuchs: Mathilde Smits-Esperstedt, Von Sellerhausen nach Amsterdam, 1996, S. 71.)

Foto: Dieter Müller ca. 1989Foto: Dieter Müller ca. 1989

Zwei Weltkriege hinterließen im Leipziger Osten ihre Spuren. Außer den Schäden an Wohngebäuden gab es Zerstörungen durch Bomben an der Lukaskirche und der Heilig-Kreuz-Kirche. Die Eisenbahnstraße wurde erfreulicherweise nur wenig zerstört und konnte so als Geschäfsstraße neu erblühen. Direkt nach dem Krieg war sie im Volksmund der "Broadway" von Leipzig.

Zu DDR-Zeiten (1973) beschloss der Rat der Stadt, die Ostvorstadt zu rekonstruieren. Das bedeutete: großflächiger Abriss in Neuschönefeld, um den Neustädter Markt und südlich der Eisenbahnstraße sowie Neubebauung und Anlage des Stadtteilparks Rabet. 1986 begann schließlich der Bau von Plattenbauten des Typs "WBS 70 in seiner dritten Rationalisierungsstufe". Zudem wurden über 200 Altbau-Wohnungen modernisiert. Die Neubauten südlich der Eisenbahnstraße wurden 1991 fertig gestellt.

Am Neustädter Markt wurde der Abriss nach der Wende gestoppt, aber es gab Häuser, die in den Folgejahren an Altersschwäche zusammengebrochen sind, wie z.B. in der Neustädter Str. 20 und Meißner Str. 24. Das Wintergartenkino in der Eisenbahnstraße und das Ostbad in der Konradstraße (heute mitten im neu gestalteten Park Rabet) wurden geschlossen und abgerissen.

Foto: Roland Quester, 1988Foto: Roland Quester, 1988

Seit der Wende wurde im Leipziger Osten viel saniert und teilweise neu gebaut, wie z.B. im Lukas-Karree/St.-Lukas-Arkaden. Die Stadt Leipzig hat Straßenräume und Plätze gestalten lassen, Hauseigentümer haben viel investiert, um Wohngebäude zu sanieren.

Seit 2000 greifen verschiedene Förderprogramme und stellen der Stadt Mittel von Bund, Land und EU zur Verfügung. Damit konnten in drei Schwerpunkten entscheidende Verbesserungen erreicht werden: Umgestaltung der Eisenbahnstraße, Umgestaltung des Freizeitparks Rabet sowie Rückbau und Grüngestaltung an der Wurzner Straße. Aber auch wichtige soziale Projekte laufen seit mehreren Jahren mit Erfolg.

Informationen zur Förderkulisse, zu Projekten sowie aktuellen Veränderungen im Leipziger Osten auf www.leipziger-osten.de 

Zitiert:
"... In der Wurzner Straße suchte man vergebens nach Baum oder Strauch, aber vom Laden aus konnten wir in die Juliusstraße hinaufsehen, und dort, über dem hohen Bretterzaun der "Kinderanstalt", in die auf Arbeit gehende Mütter ihre Kinder brachten, streckte ein kümmerlicher Großstadtbaum seine Zweige. Das was alles, was die Natur uns bot. Ich erinnere mich nicht einmal, was für ein Baum das war."
Aus dem Bericht von Mathilde Smits-Esperstedt, die in den 1910-er Jahren in der Wurzner Straße aufwuchs.
(Mathilde Smits-Esperstedt: Von Sellerhausen nach Amsterdam. 1996, S. 71.)

zu den Fotos von Dieter Müller
zu den Fotos von Roland Quester

zur Dokumentation vom Neubau der Hermann-Liebmann-Brücke von 2003/04, Fotos von Dieter Müller

Die Seite zur Geschichte aus dem Stadtteilführer herunterladen ... 

 


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Aktuell in Volkmarsdorf

Das Quartiersmanagement Leipziger Osten erreichen Sie ab sofort im IC-E InfoCenter Eisenbahnstraße 49, Tel. 0341-35 13 79 13.

Zitat aus dem Stadtteilführer:


"Was ich wirklich gut finde, ist die zentrale Verkehrsanbindung des Viertels. Und man kann sogar in die Innenstadt laufen. Auch das Grün hat sich enorm entwickelt in den letzten Jahren und die Gartenvereine sind unmittelbar da. Alles ist dicht beieinander - egal, ob es um den Kindergarten, die Schule oder das Einkaufen geht." Mehr ...

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